April 21, 2020 / 5:36 AM / 2 months ago

Welche neuen Konjunkturindikatoren in der Corona-Krise helfen

Berlin (Reuters) - Fasst die deutsche Wirtschaft mit den seit Montag geltenden Lockerungen der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise wieder Tritt?

FILE PHOTO: A pedestrian wearing a face mask walks near an overpass with an electronic board showing stock information, following an outbreak of the coronavirus disease (COVID-19), at Lujiazui financial district in Shanghai, China March 17, 2020. REUTERS/Aly Song/File Photo

Diese Frage bewegt Politiker, Arbeitnehmer, Investoren und Ökonomen gleichermaßen. Die herkömmliche Konjunkturstatistik - etwa zu den Industrieaufträgen oder zum Umsatz im Einzelhandel - liefert erst viele Wochen verzögert Aufschluss dazu. Doch es gibt alternative Indikatoren, die beinahe in Echtzeit Hinweise liefern, inwieweit sich die deutsche Wirtschaft aus dem Corona-Stillstand befreien kann. Nachfolgend ein Überblick:

LKW-VERKEHR

Öffnen die Geschäfte wieder und fahren die Industriebetriebe ihre Produktion hoch, müsste auch der Lieferverkehr zunehmen. Das Bundesamt für Güterverkehr hat einen Lkw-Maut-Index entwickelt, der die Fahrleistung großer Lkw mit mindestens vier Achsen auf deutschen Autobahnen nachzeichnet. Dieser wird aus digitalen Prozessdaten der Lkw-Mauterhebung berechnet und während der Corona-Krise arbeitstäglich aktualisiert. "Die Ergebnisse bilden damit die Fahrleistung mit fünf- bis neuntägigem Abstand sehr aktuell ab", erklärt das Statistische Bundesamt. "Wegen des engen Zusammenhangs zwischen Lkw-Fahrleistung und Industrieproduktion kann der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex sehr frühzeitig ungefähre Anhaltspunkte zur Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland liefern." Abrufbar sind die Daten hier: bit.ly/2OsHPm2

STROMVERBRAUCH

Auf Industrie, Handel, Dienstleister und Gewerbe entfallen in Deutschland fast drei Viertel des gesamten Stromverbrauchs. Kein Wunder also, dass die Entwicklung des Stromverbrauchs einen Hinweis darauf geben kann, ob die deutsche Wirtschaft mit den Lockerungsmaßnahmen allmählich wieder in Schwung kommt. Die Daten dazu werden nahezu in Echtzeit von der Bundesnetzagentur zur Verfügung gestellt. bit.ly/3cvujYV Die Ökonomen der Commerzbank bereinigen die Rohdaten, da der Stromverbrauch je nach Tagesverlauf, Wochen- und Feiertagen stark variieren und zudem saisonal stark schwanken kann. "Um diese 'natürlichen' Schwankungen auszuschalten, werden wir einen 7-Tages-Durchschnitt betrachten und diesen in der Regel mit der durchschnittlichen Entwicklung in den vergangenen drei Jahren vergleichen", erklären die Commerzbank-Volkswirte Marco Wagner und Ralph Solveen ihr Vorgehen.

KUNDENFREQUENZ

Strömen die Kunden langsam wieder in die Geschäfte? Einen Hinweis darauf liefert Google Trends, ein Online-Dienst des US-Internetriesen. Es macht sich zunutze, dass viele Smartphone-Besitzer ihre Standortdaten mit ihm teilen. Dadurch kann Google ermitteln, wie viele Kunden sich wie lange in einem Geschäft aufgehalten haben. Die aktuelle Auswertung für den 11. April zeigt, dass die Besucherzahl in Geschäften, Restaurants etc. in Deutschland um durchschnittlich 56 Prozent gesunken ist. bit.ly/2VGayal Als Vergleichswert herangezogen wurde der der vom 3. Januar bis 6. Februar ermittelt Medianwert des jeweiligen Wochentags - in diesem Fall einem Samstag.

MOBILITÄT

Kehren Beschäftigte an ihre Arbeitsplätze zurück, müsste sich dies in steigenden Passagierzahlen im öffentlichen Personennahverkehr niederschlagen. Auch hier liefert Google Trends Zahlen. Diese zeigen, dass U-Bahn-Stationen, Bahnhöfe oder Bushaltestellen in Deutschland zuletzt 48 Prozent weniger frequentiert wurden. Auch diverse Mobilitäts-Apps liefern Trends, wie sich der Verkehr entwickelt. Die Ökonomen der Commerzbank etwa bauen auf die Daten der Reiseplanungs-App Moovit, die die Nutzung in Berlin/Brandenburg, München, Hamburg, der Rhein-Ruhr Region, dem Rhein-Main-Gebiet sowie Bremen & Niedersachsen auswertet. Die jüngsten Daten vom 19. April zeigen, dass die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr um rund 70 Prozent gefallen sind. bit.ly/2XNffSm

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