May 10, 2020 / 1:22 PM / 19 days ago

FOKUS 1-"R"-Faktor steigt in Deutschland - Briten wollen stufenweise lockern

* Reproduktionsrate steigt über kritischen Wert von “1”

* Robert-Koch-Institut: Entwicklung genau beobachten

* Altmaier: Brauchen mehr Unabhängigkeit - etwa bei Schutzmasken

* Mehr Infizierte und Tote in Russland

* Johnson will Lockerungskurs vorstellen

Berlin, 10. Mai (Reuters) - Nach den jüngsten Lockerungen steigt die Virus-Ansteckungsrate in Deutschland wieder über den kritischen Wert von “1”. Die sogenannte Reproduktionsrate (R) werde aktuell auf 1,1 geschätzt, teilte das Robert-Koch-Instituts (RKI) am Wochenende mit. Jeder Infizierte steckt damit statistisch mehr als eine weitere Person an, die Fallzahlen würden damit wieder klettern. Diese Entwicklung müsse in den nächsten Tagen sehr aufmerksam beobachtet werden. Als Lehre aus der Corona-Krise fordert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eine größere Unabhängigkeit von Europas Wirtschaft. “Die aktuelle Krise zeigt, dass wir einseitige Abhängigkeit vermeiden und internationale Lieferketten stärker diversifizieren müssen”, sagte er Reuters und nannte etwa die Produktion und Beschaffung medizinischer Schutzausrüstung und pharmazeutischer Grundstoffe.

Der sogenannte “R”-Fakor gilt als wichtiges Indiz für die Entwicklung des Coronavirus. Die RKI-Forscher erklärten allerdings, die Schätzung sei wie üblich mit Unsicherheit verbunden. Es könne somit noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetze oder es zu einem Wiederanstieg komme. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte, es sei zu erwarten, “dass der R-Wert wieder über 1 geht und wir in das exponentielle Wachstum zurückkehren.” Die Lockerungen seien “zu schlecht vorbereitet worden”. Die Verantwortung auf die Landkreise zu verlegen, habe Nachteile. “Sie haben weder Ressourcen noch Erfahrung in lokaler Pandemiebekämpfung.”

FAST 7400-TOTE DURCH CORONA-VIRUS IN DEUTSCHLAND

Das Robert-Koch-Institut meldete in Deutschland 667 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Damit stieg die Zahl der Fälle auf insgesamt 169.218. Die Zahl der Toten legte um 13 auf 7395 zu. Nach Angaben des RKI sind rund 144.400 Menschen inzwischen genesen.

In Russland kletterte die Zahl der Infektionen über die Schwelle von 200.000. Binnen 24 Stunden wurden nach Behörden-Angaben 11.012 neue Ansteckungen nachgewiesen. Die Gesamtzahl der Fälle liege nun bei 209.688. In Verbindung mit einer Infektion seien 88 weitere Menschen gestorben und die Zahl der Todesopfer damit auf 1915 gestiegen. In Spanien hingegen ebbte die Zahl der Toten ab. Das Gesundheitsministerium meldete 143 Verstorbene nach 179 Toten am Vortag - dies ist die niedrigste Opferzahl seit Mitte März. Die Gesamtzahl der Verstorbenen stieg damit auf 26.621. Sie ist hinter Großbritannien und Italien die höchste in Europa.

BRITEN MIT FARBCODES GEGEN CORONA -TESLA WILL US-WERK ÖFFNEN

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson wollte Medienberichten zufolge noch am Sonntag ein fünfstufiges Warnsystem im Kampf gegen die Corona-Pandemie vorstellen. Dies sei Teil der Regierungspläne, um die Ausgangssperren langsam zu lockern. Die Stufen des Warnsystems sollten mit Farbcodes von grün bis rot gekennzeichnet werden und das Corona-Risiko in der jeweiligen Gegend angeben. Dies solle es der Regierung ermöglichen, die Beschränkungen je nach regionaler Lage wieder zu verschärfen. Johnson wollte am Abend eine Fernsehansprache halten und dabei vermutlich auch ankündigen, dass die Menschen ihre Wohnungen künftig öfter als nur einmal am Tag verlassen dürfen, um Sport zu treiben. Großbritannien habe zwar den Höhepunkt der Pandemie überschritten, sagte Johnson der “Sun on Sunday”. Nun müsse das Land aber noch mehr Sorgfalt walten lassen, um alles richtig zu machen.

Weltweit bemühen sich Regierungen und Behörden, die Wirtschaft wieder hochzufahren und vorsichtig Lockerungen der strikten Eindämmungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Vielen Managern geht dies aber nicht schnell genug. So reagierte Tesla-Chef Elon Musk scharf auf die Ankündigung aus Kalifornien, dass der Elektroauto-Pionier sein einziges US-Fahrzeugwerk wegen der Corona-Risiken noch nicht wieder anfahren darf. Tesla werde seinen Konzernsitz und seine künftigen Programme mit sofortiger Wirkung aus Kalifornien abziehen und nach Texas oder Nevada verlegen, twitterte Musk am Samstag. Sein Konzern reichte Klage gegen die örtlichen Behörden ein. Auch ließ er die Zukunft des Werks Fremont im kalifornischen Alameda mit seinen rund 10.000 Beschäftigten offen. Das werde davon abhängen, wie dort mit Tesla künftig weiter umgegangen werde. (Reuters-Büros weltweit, geschrieben von Klaus Lauer; redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168)

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below