April 2, 2020 / 12:25 PM / 3 months ago

Regierung erwartet schwere Rezession - "Tiefe Einschnitte"

Berlin (Reuters) - Deutschland droht wegen der Corona-Pandemie die schwerste Rezession der Nachkriegszeit.

German Economy Minister Peter Altmaier gives a speech during a session at the lower house of German parliament, Bundestag, on the outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Berlin, Germany, March 25, 2020. REUTERS/Axel Schmidt

Das Bruttoinlandsprodukt könnte in diesem Jahr noch stärker schrumpfen als während der Finanzkrise 2009, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Donnerstag in Berlin. Damals war die Wirtschaft um 5,7 Prozent eingebrochen. “Das bedeutet, dass wir nach zehn guten Jahren des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr erstmals wieder eine Rezession erleben werden”, sagte der CDU-Politiker. Im Januar - also vor Beginn der Pandemie - war noch ein Wachstum von 1,1 Prozent erwartet worden.

“Wir müssen mit tiefen Einschnitten beim Wirtschaftswachstum in diesem Jahr rechnen”, sagte Altmaier. “Es wäre unverantwortlich an dieser Stelle eine konkrete Zahl zu nennen.” Die Wirtschaftsweisen hatten in ihrem Sondergutachten zur Corona-Krise geschätzt, dass die Wirtschaft zwischen 2,8 und 5,4 Prozent einbrechen werde. Diese Prognose sei noch “recht optimistisch”, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. “Keiner kann verlässliche Zahlen nennen. Ich befürchte aber, dass diese Krise für Deutschland wirtschaftlich gesehen härter wird als die globale Finanzkrise”, sagte Fratzscher.

TIEFPUNKT FÜR MAI ERWARTET

Europas größte Volkswirtschaft hat sich Altmaier zufolge im Januar und Februar noch ganz gut geschlagen. “Aber dann im Monat März hat sich die Krise zum ersten Mal bemerkbar gemacht”, sagte Altmaier. Der Tiefpunkt dürfte wohl im Mai erreicht werden. “Wir gehen davon aus, dass in einzelnen Monaten im ersten Halbjahr das Wirtschaftswachstum um mehr als acht Prozent einbrechen kann.” Es gebe aber die begründete Hoffnung, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehe und dann wieder ein vernünftiges Wachstum erreicht werde.

Altmaier betonte, dass mit Hilfe der bereits geschnürten Hilfspakete in Höhe von Hunderten Milliarden Euro die Rezession bekämpft werden soll. “Wir möchten, dass sie so schnell wie möglich überwunden wird”, sagte der Minister. Nach Überwindung der Corona-Pandemie müsse die Konjunktur wieder durchstarten können. Dann würden Wirtschaft und Löhne wieder wachsen. “Dafür brauchen wir ein Fitnessprogramm”, sagte Altmaier. Die Bundesregierung arbeite an einem solchen Konjunkturpaket.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz plädierte für Investitionen, sobald die Belastungen durch die Coronavirus-Epidemie abflauen. Zunächst müsse es darum gehen, die Gesundheitskrise zu bewältigen sowie die Arbeitsplätze und Unternehmen zu sichern. Man wolle sicherstellen, “wenn es wieder aufwärtsgeht, dass das auch unterstützt wird mit konjunkturellen Maßnahmen”, sagte der SPD-Politiker. “Wir wollen dann weiter eine Politik betreiben, in der hohe Investitionen eine Rolle spielen und in der der Sozialstaat ausgebaut und nicht zurückgebaut wird.”

KFW ERWARTET VERLUST

Die staatliche Förderbank KfW stellt sich auf eine stark steigende Nachfrage nach Corona-Hilfskrediten ein. KfW-Chef Günther Bräunig hält ein Gesamtvolumen von 50 Milliarden Euro für realistisch. Auch 100 Milliarden Euro seien nicht auszuschließen. Ab kommender Woche werden die Darlehen, bei denen der Staat den Großteil des Ausfallrisikos trägt, ausbezahlt. Bei der KfW selbst reißt die Corona-Krise schon jetzt tiefe Löcher in die Bilanz. Für das erste Quartal erwartet der Vorstand einen Verlust von bis zu fast einer Milliarde Euro.

Dem Robert-Koch-Institut zufolge haben sich bislang 73.522 Menschen in Deutschland mit dem neuartigen Virus infiziert. Bislang sind 872 Menschen daran gestorben. Um eine rasche Ausbreitung und damit eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, wurden Ausgangsbeschränkungen erlassen. Das bremst beispielsweise den Konsum, müssen doch Tausende Geschäfte geschlossen bleiben. Auch die Lieferketten der Unternehmen sind durch die Pandemie unterbrochen, während zugleich die Nachfrage aus dem Ausland eingebrochen ist.

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